Bauarbeiten müssen sein. Und es ist richtig, diese Arbeiten in Zeiten zu planen, in denen mit weniger Fahrgästen zu rechnen ist, da selten ohne Einschränkungen für die Fahrgäste gebaut werden kann. Es war deswegen konsequent, die Arbeiten am S3-Tunnel in Harburg auf die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten zu legen.
Das Wochenende hat aber wieder gezeigt, dass es während solcher baubedingter Sperrungen gute und ausreichend bekanntgemachte Ersatzverkehre zwingend braucht. Einschränkungen sind nicht zu vermeiden, aber die Fahrgäste müssen planen können.
Zu loben sind:
- die Erhöhung des Regionalbahnsteigs in Neugraben, sodass der Cuxhavener Regionalexpress dort halten konnte,
- eine zusätzliche Fahrt der S 5 auf den Regionalbahngleisen zwischen Neugraben und Harburg
- und ein zusätzlicher Regionalzug zwischen Hauptbahnhof und Harburg.
Der Busersatzverkehr war zwar durchaus koordiniert, konnte aber den Fahrgastströmen kaum gerecht werden, zumal der Busbahnhof Harburg sich in der Fertigstellung zu weit verzögert hat.
Mehr Busse auf der verbliebenen Linie A über alle S-Bahn Stationen hätten auch nicht fahren können, da sonst der Straßenverkehr der vielen Busse wegen zusammengebrochen wäre. Stattdessen hätte es mehr direkte Fahrten vom Harburger Bahnhofsvorplatz zum Hauptbahnhof oder von Neugraben nach Bahrenfeld geben müssen. Zumal am Harburger Bahnhof der ausgeschilderte Umstieg nicht barrierefrei ist und das Gedränge in Wilhelmsburg einen breiteren Gehweg beziehungsweise eine Wartezone am Bus erfordert hätte.
Soweit zu den unvermeidbaren Einschränkungen – da müssen wir Fahrgäste gelegentlich durch.
Für uns war es aber unverständlich, dass es am vergangenen Wochenende Zugausfälle durch weitere Bauarbeiten an den Fernbahngleisen gab. Es spricht aus unserer Sicht vieles dafür, dass die Baustellenfahrpläne das erhöhte Verkehrsaufkommen nicht berücksichtigt haben und die Baustellen auch nicht koordiniert waren.
Hier erwarten wir eine koordinierte Planung von der Deutschen Bahn. Es gab zwischen Harburg und Hauptbahnhof nicht nur ein vermindertes Zugangebot, obwohl die S-Bahn nicht fuhr, sondern einige der wenigen Züge fielen aus oder waren stark verspätet. Deshalb fuhr teils eine Dreiviertelstunde kein Zug zwischen Hauptbahnhof und Harburg – eine Zeit, in der sonst neun S-Bahnen gefahren wären. Reisende mit der RB 41 mussten zusätzlich mit einer längeren Wartezeit in Harburg umsteigen.
„Wenn es schon massive Ausfälle und Verspätungen gibt, sollte wenigstens die Information stimmen“, fordert Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN und Pressesprecher des Landesverbandes Schleswig-Holstein/ Hamburg. „Ich selbst war dort unterwegs, ein Zug fuhr vor der angezeigten Verspätung ab, der nächste war mit 25 min Verspätung angekündigt und fuhr ohne weitere Information weitere 10 min später – natürlich extrem überfüllt.“
Am Sonntag war es dann etwas besser. Die Züge waren aber alle wegen des extrem starken Fahrgastaufkommens stark verspätet.
So darf es nicht weitergehen. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert alle Beteiligten auf, sich nach Ende der Bauarbeiten zu einem runden Tisch mit den Fahrgästen zusammenzusetzen, das Vergangene zu analysieren und Lösungen für die Zukunft zu diskutieren.
Kontakt:
Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender und Pressesprecher des PRO BAHN-Landesverbandes Schleswig-Holstein/ Hamburg, mobil: 0172-2673784, e-mail: k.naumann@pro-bahn.de
Stefan Barkleit, Vorsitzender des PRO BAHN-Landesverbandes Schleswig-Holstein/ Hamburg, mobil: 0151-51462156, e-mail: barkleit@pro-bahn-sh.de
Mathias Bölckow, Vorsitzender des PRO BAHN-Regionalverbandes Hamburg und Umgebung, mobil: 0176-49226044, e-mail: boelckow@pro-bahn-sh.de
