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​Mitte-Deutschland-Verbindung: Bund muss weiteren zweigleisigen Ausbau absichern ​- „Zementierung der eingleisigen Abschnitte wäre ein Schildbürgerstreich“

5. August 2021 | Von | Kategorie: Pressemitteilungen

Zu der gestrigen mdr-Meldung, dass zwei Abschnitte der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Weimar und Gera im Zuge des Elektrifizierungsvorhabens eingleisig bleiben sollen, erklärt der Fahrgastverband PRO BAHN:

Die Nachricht klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, ist aber leider bitterer Ernst. Angesichts der an Fahrt aufnehmenden Diskussion über die Stärkung der Bahn als klimafreundlichstes Verkehrsmittel und Problemlöser in der Klimakrise wirkt eine Entscheidung gegen den weiteren zweigleisigen Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung wie aus der Zeit gefallen.

Ein endgültiges Votum gegen das zweite Gleis in den beiden Streckenabschnitten ist auch gegen eine bessere Anbindung Ostthüringens und Westsachsens auf der Schiene gerichtet. Leidtragende einer solchen Fehlentscheidung wären täglich tausende Pendlerinnen und Pendler, die auf verlässliche Bahnverbindungen angewiesen sind.

Die Stärke eines Bahnbetriebskonzepts zeigt sich vor allem bei Störungen und Verspätungen. Mit den verbleibenden eingleisigen Abschnitten bliebe die Mitte-Deutschland-Verbindung, die in Thüringen 40 Prozent der Einwohner erreicht und in Sachsen eine Region mit 1,2 Millionen Einwohnern anbindet, anfällig für solche Unregelmäßigkeiten im Betriebsablauf.

Durch das fehlende zweite Gleis übertragen sich Verspätungen schnell auf die Züge der Gegenrichtung, so dass der Fahrplan aus den Fugen gerät und Fahrgäste ihre Anschlüsse in den Knoten verpassen. Durch die geplante Fernverkehrslinie zwischen dem Ruhrgebiet und Chemnitz kann sich dies deutschlandweit auswirken.

Weiterhin limitieren und erschweren die Eingleisabschnitte künftige Angebotsverbesserungen. Über jedem zusätzlichen Zug östlich von Jena schwebt dann das Damoklesschwert der betrieblichen und fahrplantechnologischen Machbarkeit. Eine solche auf Kante genähte Eisenbahninfrastruktur wird schon den heutigen Anforderungen nicht gerecht und ist daher in keiner Weise zukunftstauglich. Deshalb darf der als Kriegsfolge entstandene Zustand nunmehr nicht zementiert werden und auf diese Weise den künftigen Entscheidungsspielraum für mehr Verkehr auf der Schiene verbauen.

Wir appellieren daher an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung für die Finanzierung der Bundesschienenwege und den gesellschaftlichen Herausforderungen durch den Klimawandel nachzukommen und die Mittel für den vollständigen Ausbau zwischen Weimar und Gera bereitzustellen.

Im laufenden Bundestagswahlkampf können die politischen Parteien jetzt beweisen, wie ernst es ihnen mit der Stärkung der Bahn tatsächlich ist. Statt Floskeln und politischen Parolen brauchen wir jetzt in Berlin politischen Druck und konkrete Zusagen für das zweite Gleis bis Gera. Mit vereinten Kräften lässt sich der Schildbürgerstreich bei der Mitte-Deutschland-Verbindung hoffentlich noch abwenden.

Kontakt:

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender, mobil: 0172-2673784, e-mail: k.naumann@pro-bahn.de

Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender, mobil: 0176-66822886, e-mail: lukas.ifflaender@pro-bahn.de

 

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